Am Wochenende vom 10.-11. September 2016 machten sich 21 unternehmungs- und wanderlustige Frauen vom Frauenturnverein Steckborn auf nach Bonndorf, einem kleinen Städtchen, nicht weit weg von der Schweizer Grenze am südlichen Zipfel des Schwarzwaldes und am Eingang zur Wutachschlucht gelegen. Das Wetter hätte schöner nicht sein können, so dass man Regenschirm und Regenjacke getrost daheim lassen konnte. Die Anreise nach Bonndorf war zwar nicht lang, aber der Appetit auf die Vesperplatte mit Schwarzwälder Spezialitäten im „Gasthaus zum Kranz“ war dennoch bei allen gross. Frisch gestärkt machten wir uns anschliessend auf Erkundungsgang durch das kleine Schwarzwald-Städtchen. Einige nutzten die Chance zum Shoppen und konnten noch ein Schnäppchen machen, andere wanderten den Philosophenweg entlang und genossen dabei den schönen Ausblick auf den Schwarzwald und die klugen Sprüche und Zitate grosser Dichter und Denker.

Fastnachtstradition von Bonndorf
Am Nachmittag trafen wir uns dann alle wieder am Schloss Bonndorf, das u.a. ein Fastnachts-Museum – die „Schloss-Narrenstuben“ beherbergt. Frau Reiner fĂĽhrte uns durch die liebevoll gestaltete und europaweit einmalige Sammlung von ĂĽber 400 Narrenfiguren im Miniaturformat in originalgetreuen KostĂĽmen, auch Häs genannt. Jede Narrenzunft hat ihr ganz eigenes KostĂĽm, das meist in aufwendiger Handarbeit genäht und bemalt oder anderweitig gefertigt wird – z.B. sogar aus Stroh, kleinen Salzsäckchen oder mit Schneckenhäusern verziert. In Bonndorf selbst ist die Narrenzunft der „Pflumenschlucker“ beheimatet. Einer Legende nach haben die Bonndorfer vor vielen, vielen Jahren die ersten Pflaumen, die sie zu Gesicht bekamen, mitsamt dem Stein gegessen, weil sie es nicht besser gewusst hatten (oder damals die Verdauung noch problemloser funktioniert hatte?). Mary wurde dann kurzerhand als Pflumenschlucker verkleidet und mit Holzmaske und Pflaume im Mund, blau-weiss gestreifter ZipfelmĂĽtze, 22 Schellen und einem blauen Regenschirm vollfĂĽhrte sie unter dem Applaus der anderen Turnerinnen ein kleines Narrentänzchen.

Kneippgang
Hinter dem Schloss Bonndorf schliesst sich ein Japanischer Garten an – mit einer japanischen Pagode sowie Pflanzen, die aus Japan stammen. Wir gross war unsere Freude, als wir auch ein Kneippbecken entdeckten: Kurzerhand wurden die Hosenbeine hochgekrempelt oder die Röcke gerafft und nach einem Kneippgang durch das eiskalte Wasser (trotz hochsommerlicher Temperaturen) waren unsere Beine wieder wie neu. Derartig erfrischt liessen wir den Nachmittag in geselliger Runde im Cafe mit leckerer Torte ausklingen und bezogen unsere Hotelzimmer.
Beim Nachtessen im Hotel-Restaurant liessen es sich alle schmecken und es ging ziemlich laut her, denn jeder hatte doch so viel zu erzählen.

Wanderung in der Wutachschlucht
Am nächsten Morgen machten wir uns in zwei Gruppen auf den Weg: die wanderlustigen Turnerinnen zur Wutachschlucht und die unternehmungslustigen nach Titisee-Neustadt. Die Wutachschlucht ist eine urig-romantische Landschaft in einem grossen Naturschutzgebiet. Um unsere Kräfte etwas zu schonen, da wir nicht genau wussten, was uns auf den 11 km so alles erwarten wĂĽrde, nahmen wir zuerst den Bus bis Boll, von wo aus wir dann in die Schlucht einstiegen. Der Weg fĂĽhrte an steilen Felsen vorbei, teilweise auch ĂĽber Leitern und Treppen – immer an der Wutach entlang, die friedlich unten in der Schlucht ihren Weg nahm, aber auch nach starken Regenfällen zum reissenden Fluss werden kann. Nachdem wir erst das GefĂĽhl hatten, wir sind die einzigen Wanderer, kamen uns mehr und mehr andere Naturliebhaber entgegen, die offenbar entweder später aufgestanden waren oder eine längere Route genommen hatten. Auf halbem Weg mussten wir dann die Schlucht wegen eines Erdrutsches verlassen und eine Umleitung nehmen. Der steile Aufstieg in der Mittagssonne – heraus aus der Schlucht – war dann schon etwas kräfteraubend, so dass wir uns anschliessend erst einmal eine Rast gönnten. Eine Stunde frĂĽher, als geplant, erreichten wir dann schon unser Ziel – die WutachmĂĽhle – von wo aus uns der Wanderbus wieder nach Bonndorf brachte und wir dann sogar noch Zeit fĂĽr ein StĂĽck Schwarzwälder-Torte in der Konditorei hatten.

Am Titisee
Mit der anderen Gruppe, die einen etwas gemütlicheren, aber auch sehr interessanten Tag in Titisee-Neustadt – inkl. Seerundfahrt – verbracht hatte, trafen wir uns dann am späten Nachmittag wieder am Hotel, von wo aus wir in zwei Kleinbussen die Heimreise antraten – etwas müde, aber in bester Laune.

Heike Fath, die Reiseleiterin und Berichteschreiberin